Studie und Annäherung in der Energetischen Therapie

(Energy Life 9-10 Juni/2003)

Schwierigkeiten bei der Behandlung von Patienten

 Zu mir kam eine Klientin, die über ständige Kopfschmerzen und Schmerzen am gesamten Körper seit 18 Jahren klagte. Physiotherapeuten lehnten die Arbeit mit ihr ab mit der Begründung, sie sei kompliziert, die Behandlung müsse schneller greifen. Auch nach einem halben Jahr Arbeit sei keinerlei Besserung feststellbar.

 Sie erzählte, sie versuche allen klar zu machen, was ihr fehle. Sie habe Schmerzen, am ganzen Körper. Ihren Erzählungen zufolge, werde sie von den Therapeuten oder Ärzten nicht ernst genommen, sie verstünden sie nicht. Sie ließen sie entweder verärgert wissen, sie möge aufhören, ihnen gute Ratschläge zu geben, sie wüssten selbst was zu tun sei oder meinten, sie hätten aber jetzt viel von ihr gelernt. Sie erklärte mir wortwörtlich, sie habe es satt, neben dem Honorar auch noch dem Arzt Lehrstunden erteilen zu müssen, damit er sie dann so behandle, dass es für sie in Ordnung sei. Viele hätten ihr zur Psychotherapie angeraten, aber sie hätte es ebenfalls satt, ständig in der Vergangenheit herumzukramen und sattsam Bekanntes aufzuwärmen. Neues käme nicht hinzu. Sie ging zu energetischen Heilern. Die erzählten ihr, dass ihre Chakren blockiert seien. Sie verstand nicht, was sie damit meinten und egal, womit sie sie behandelten, es half in keinster Weise.

 Sofern man sich nur bis hierher die Geschichte dieser Klientin anhört, könnte es sich durchaus auch um die Geschichte einer sich Weiterentwicklung und Heilung verweigernden Klientin handeln. Die nachfolgende Schilderung hingegen lässt aufhorchen.

 Sie erzählte mir, dass sie während einer Akupunktursitzung die Beschwerden des Patienten in der Nachbarkabine am ganzen Körper wahrgenommen hätte. Überhaupt sei ihr das zuviel, wenn mit ihr noch wer anderer behandelt werden würde. Der Arzt kenne jetzt mittlerweile ihre Macken, so ihre Selbstbeschreibung, und sie würde jetzt in einem separaten Raum untergebracht. Aber dort sei es auch nicht wirklich besser, meint sie. Sie würde sofort jede Art von Vibrations-Dissonanz spüren. Sie fühlt in ihrem Körper, wenn jemand lügt oder in einem Raum, den sie betritt, zuvor ein Streit stattgefunden hat.

 Sie ist ein Hypochonder, das ist der Kommentar, den ich meistens hören würde.

 Ich wechsle zu einem anderen Fall. z.B. die Erzählungen eines Polizisten, den ich nach den Aufräumungsarbeiten nach dem Anschlag auf das World Trade Center begleitet habe. Während einer Pause sah er Leute vor seinem geistigen Auge und hatte Stimmen im Ohr, die ihm sagten, „Bitte rette uns, wir können hier nicht länger atmen, wach auf, arbeite weiter und wir werden dir genau sagen, wo wir sind, wir sind hier.“ Zu einem späteren Zeitpunkt findet er die Stelle und findet dort 5 Tote, die alle so aussehen, wie sie in seinem Traum erschienen sind.

 Seit diesem Erlebnis kann der Polizist, der über 15 Jahre handfeste Erfahrung mit Kriminalität in New York verfügt, ohne Medikamente weder ein- noch durchschlafen. Wenn man ihn beobachtet, erkennt man eindeutig: dieser Mann spricht über ein Thema, über das es noch nie etwas gehört oder gelesen hat.

 Beides sind keine Einzelfälle. Sie stehen stellvertretend für die stets größer werdende Patientenschaft, die darüber irritiert ist, was sie wahrnimmt, oder nicht einmal weiß, was sie wahrnimmt, oder den Sinn in ihrer Lebensführung verloren hat.

 Während die Frau schon seit 18 Jahren weiß, dass sie eine andere Unterstützung braucht und sogar noch den Therapeuten Ratschläge gibt, um ihnen ihre Helferqualitäten zu erleichtern, hat der Polizist nicht die geringste Vorstellung davon.

 Beide haben gemeinsam, dass die einen Zugang zur Welt der Energien bekommen haben. Was die Frau betrifft, nicht einmal Heiler konnten ihr helfen, weil das Problem nicht in Chakren, Aura-Schichten oder ähnlichem lag.

 Während meiner Forschungsjahre habe ich herausgefunden, dass ich mit 2 sehr unterschiedlichen Arten von Klienten arbeite: Ich nenne sie "physische-Körper-dominiert" und "Energiekörper-dominiert". Physische-Körper-dominierte Klienten schauen sich sie Welt der Energien an und sind interessiert an allen energetischen und spirituellen Themen. Sie nehmen Energien im Detail wahr, sie erzählen davon, von Energiefeldern, Systemen, Schichten, Auren, Linien umgeben zu sein oder Chakren zu haben. Energiekörper-dominierte Klienten nehmen sich selbst als ein gesamtes Energiewesen wahr, welches in einem physischen Körper wohnt und in eine physische Welt schaut. Das Wort „gesamt“ bedeutet hier, dass alles, was im Detail wahrgenommen werden kann, Teil eines größeren Ganzen ist – dem Energiekörper. So wie der physische Körper besteht auch der ganze energetische Organismus aus verschiedenen Teilen. Energiekörper-dominierte Personen identifizieren sich demnach nicht mit der Leber oder dem rechten Knie sozusagen. Sie sind DAS energetische Wesen, so wie wir sagen würden „Ich bin ein menschliches Wesen“. Energiekörper-dominierte Klienten sind an allem Physischen interessiert, an einer anderen Perspektive der Welt sozusagen.

 Ich sage nicht, dass wir unser Wissen über Energien, das wir über tausende von Jahren erworben haben, aufgeben sollen. Wie sind nur auf einer Schnellstrasse, „Energie“ genannt, auf der wir alle verfügbaren Fahrspuren benutzen, nun aber erstaunter Weise feststellen müssen, dass Autos „Entwicklung“ genannt, uns als Geisterfahrer entgegenkommen. Diese Schnellstrasse mit Fahrspuren in eine Fahrtrichtung entpuppt sich als Schnellstrasse mit Gegenverkehr.

 Ich komme zurück zu meinen Fällen: Der Energiekörper hat Sinnesorgane wie der physische Körper auch. Fühlt man eine energetische Krankheit oder Blockade von jemand anderem, nennt man das Feinfühligkeit. Während  wir von unseren physischen Organen Gebrauch machen, was wir schon von frühester Kindheit an lernen, kann meine Klientin die Informationen, die ihre Energiekörper-Organe übermitteln, nicht verarbeiten. Sie fühlt sich einfach überwältigt von der Vielfalt der Energiewahrnehmungen.

 Hellsichtigkeit und Hellhörigkeit – also Sehen oder Hören im energetischen Bereich – bedeutet, dass es Sinnesorgane in diesem Körper gibt, welche uns mit visuellen oder auditiven Informationen versorgen.

 Mutter Natur ist weise. Sie hat uns mit 2 Körpern versorgt, um für das Schlimmste gewappnet zu sein. Zum Beispiel in Krisezeiten. Während der physische Körper eine laute Stimme durch das Sinnesorgan Ohr hört, ist die Kommunikation zwischen Energiekörpern nonverbal. Deshalb haben die Menschen, die unter den Trümmern der World Trade Center lagen, ihre Energiekörper benutzt, um Nachrichten an andere Energiekörper-Gefährten zu übermitteln. Der Energiekörper des Polizisten hörte ihre Stimmen und sah seine Gefährten.

 Es ist die Fülle an unterschiedlichen Beschwerden, aus 2 Körpern stammend: Kopfschmerzen und Schlafstörungen von Seiten des physischen Körpers, Wahrnehmungs- Empfindungsstörungen von energetischen Sinnesorganen von Seiten der Energiekörpers – die für die konventionelle therapeutische Behandlung irreführend sein mag. Diese Klienten jedoch als therapieresistent, schwierig im Umfang oder einfach als unkooperativ abzustempeln hieße, sie in ihrem So-Sein bescheiden zu wollen.

 Energiekörper-dominierte Menschen stellen den größten Teil der Klienten, welche sich darüber beschweren, unzureichend behandelt und begleiten zu werden. Die häufigste Beschwerde ist, dass sie sich unverstanden fühlen. Sie sind viel kritischer, skeptischer und zögender, wenn ihnen eine energetische Behandlung angeboten wird. Wenn es zur Aura- oder Chakren-Behandlung kommt, sind sie sehr unentschlossen. Ihre Fragen gleichen eher einem Verhör. Meistens wirken Energiebehandlungen nicht. Sie können weder meditieren noch visualisieren und hatten schlechte Erfahrungen mit Kursen, in denen sie jedoch dazu angehalten worden sind. Ich habe viele Klienten gesehen, die Psychotherapieangebote mit schamanistischen, spirituellen oder energetischen Komponenten kategorisch ablehnten. Energiekörper-dominierte Klienten, die sich von energetischen Behandlungen fernhalten, sollten nicht verwechselt werden mit den traditionellen Hardlinern, die ebenfalls nur das Materielle interessiert, aber alles Energetische als dubios ablehnen.

 Spezialisiert habe ich mich im Laufe der 22 Jahre bei der Thematik Energiekörper und energetische Sinnesleistungen, wie Hellsichtigkeit, Hellhörigkeit oder Telepathie, auf die Begleitung dieser Menschen und sollte herausfinden, dass einige spezielle Erfahrungen ganz besonders leicht diese Verschiebung der Wahrnehmung oder außerkörperlichen Erfahrungen konfrontiert, mit denen sie nicht umgehen können. Ausgelöst werden sie bei sexuellen oder physischen Gewalterfahrungen, bei Frauen mit traumatischen oder sehr schmerzhaften Entbindungserlebnissen, bei Autounfällen, die mit Nahtoderfahrungen einhergehen. Auch sollte ich herausfinden, dass Menschen, durch Sekten oder Esoterikerfahrungen manipuliert und missbraucht bzw. durch unzulänglich durchgeführte energetische Therapien oder durch Handauflegen, Fernheilungen oder sogenannte Aurabehandlungen verletzt und energiekörperlichen Schaden erfahrend, ebenso davon betroffen sein können. Alle diese Erfahrungen können einen Autofahrer unerwartet von seiner eigenen Richtung auf die Gegenrichtung befördern. Klienten reagieren mit nicht verarbeiteten Energiewahrnehmungen auf diese Verschiebung. Meine Arbeit besteht in der Reorientierung dieser Klienten über den aktuellen Richtungswechsel auf der Schnellstrasse.

 Was ich jetzt seit dem 11. September 2001 erlebe, ist eine gewaltige Veränderung. Es ist eine Entwicklung, die ich seit Jahren beobachte und die seit dem 11. September eine vulkanartige Ausweitung erfahren hat. Was sich früher nur auf eine vergleichsweise kleine Gruppe von Menschen beschränkt hat, hat jetzt endgültig ein kollektives Ausmaß angenommen. Meine Erfahrung ist, dass diese Verschiebung in der Wahrnehmung seither immer und überall auslösbar und möglich ist. Man braucht gar nicht persönlich involviert sein.

Heute reichen bei Klienten, die in diese Verschiebung kommen, Bilder im Fernsehen von der Bergung aus Gebieten der Flutkatastrophe.

 Wenn wir uns mit der 2-Körperlichkeit beschäftigen bedeutet das, dass wir die Geschichte beider Körper betrachten müssen, ihre Interaktionen und ihre Störungen. In Krisensituationen müssen wir ab jetzt prüfen, ob das Bewusstsein in den anderen Körper gewechselt ist oder alles beim Alten geblieben ist. Ich habe eine Technik entwickelt, mit der man bewusst zwischen den Ebenen wechseln kann, wie ein Auto-Scheibenwischer, von einer Körpersicht zu einer anderen. Das ermöglicht ihnen, an den Klienten angepasst, zu jeder Zeit jegliche Unterstützung in beiden Welten anzubieten.

 Ein Setting mit einem energiekörper-dominierten Klienten beinhaltet andere Themen. Obwohl sie über medizinische oder psychische Probleme berichten, unterscheidet sich ihre Sichtweise wesentlich von der eines physischen-Körper-dominierten. Sie beobachten sehr genau, wie Sie sich energetisch verhalten und ob Ihre Einstellung zu ihnen authentisch ist mit dem, was Sie von sich geben. Wenn Sie sich inkongruent verhalten, wenn also das Verhalten ihres physischen Körpers und das Ihres Energiekörpers nicht übereinstimmen, werden sie Sie verlassen und sich jemand anderen suchen, bei dem das stimmig ist. Das ist der Grund, warum energiekörper-dominante Klienten als therapieresistent abgestempelt werden. Was übrig bleibt, ist ein Verlust für beide Seiten: Der Behandelnde verliert den Klienten und der Klient verliert Zeit, Geld und Energie bei der Suche nach einer neuen Person, der er vertrauen kann. Eine Gewinner/Gewinnersituation könnte entstehen, wenn der Behandelnde imstande ist, bewusst und behutsam zwischen den beiden Welten zu wechseln.

Der Energiekörper von Millionen von Menschen ist aktiv, macht sich in unserem Leben bemerkbar. Wir entwickeln andere Bedürfnisse, wir geraten in Krisen durch andere Umstände, wir erkranken aufgrund anderer Situationen oder Unachtsamkeiten als früher. Nochmals, wir sind im Transit und benötigen Verständnis für uns selbst aber auch für das So-Sein der anderen, dass in Zeiten des Umbruchs das Leben anders verläuft. Der Energiekörper ist immer noch mehr ein Schlagwort als ein wertvoller Partner in unserem Leben, der mit uns die allererste Beziehung in unserer Existenz eingeht und der Allerletzte ist, der sich von uns, zum Zeitpunkt unseres Sterbens, trennen wird. Und das war immer schon so. Was hingegen neu ist, ist, dass auch er jetzt Unterstützung für sich beansprucht. Und das wollen wir unserem Partner doch nicht vorenthalten oder anders formuliert: Wir wollen uns diese Unterstützung nicht vorenthalten oder wie es in einer Shampoo-Werbung so schön heißt: „Weil ich es mir wert bin“.

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